Einen Abriß ausgewählter Ereignisse der vergangenen Tage, möchte ich kurz in einem Beitrag zusammenfassen.

Erwähnenswert war hierbei sicherlich der Ausflug nach Atlantic City, New Jersey [http://www.atlanticcitynj.com] letzte Woche Samstag. Ausgangspunkt war einmal mehr das Korman-Domizil, welches den Freitag vorher zum Ausspannen von der vorausgegangenen Arbeitswoche herhalten musste.

Die Stadt am Atlantik, wie der Name eben sagt, ist in erster Linie nicht wegen des großen Strandes ein Touristenziel…

…an der Ostküste. Viel mehr verdoppelt sich die Einwohnerzahl, von üblicher Weise 40.000, an den Wochenenden und Feiertagen eher wegen der vielen bunten Lichter. Casinos und Freizeitparks um genauer zu werden. Legales Glücksspiel gab es in der Stadt übrigens schon eher als in Las Vegas. In Sachen Flair steht das “kleine Las Vegas” dem Großen sicherlich etwas nach, die spektakulären Bauten der Hotelgrößen fehlen. Vielmehr ist Atlantic City die klassische Spielhölle.

Auf der anderthalbtstündigen Fahrt durch den Garden State konnten wir diesmal nicht viel sehen, da wir die Autobahn nutzten. Ein weiteres uriges Diner wurde der langen kulinarischen Erfahrungsliste jedoch zugefügt. Und plötzlich tauchte, gerade zur Dämmerung, die hohe, blinkende Häusersiluette aus dem Nichts auf. Man konnte sie schon sehen, obwohl noch gut 20 Minuten vor uns lagen. Ein Vorgeschmack auf das nun folgende, sehr amerikanisch geprägte Erlebnis.

Der zentral gelegene Parkplatz vor dem Trump Plaza (Parkgebühr $11, die New Yorker freut so etwas) erwies sich als Volltreffer, denn der Boardwalk (die Standpromenade) und die Casinos lagen praktisch um die Ecke. So begutachteten wir die skurile Szenerie also zuerst von der Wasserseite aus, wo eine Einkaufsmall ins Meer gebaut wurde, welche dem Standard in Dubai ohne weiteres mithalten könnte. Ausserdem zu sehen gab es eines der unzähligen Kriegs-Helden-Denkmäler, mit dem die Amerikaner ihre glorreiche Geschichte feiern. Hier, den Korea-Krieg. Die vielen asiatischen Touristen wird es freuen. ;-)

Und nun also rein ins Spielvergnügen. Ich als Casino-Neuling hatte mir vorgenommen, dem Klassiker Roulette wenigstens einmal im Leben eine Chance zu geben. Alex und ich taten dies dann also in unserer nächsten Anlaufstelle - dem Trump-Casino. Völlig unvorbereitet traf mich dann also gleich der Schlag als wir die Spielbank betraten. Blinkende Spielautomaten, Kartentische, brechend voll. Und das Schlimmste, die Geräuschkulisse. Unübertrieben, 1000 einarmige Banditen, oder Banditen ohne Arme, verbreiteten einen fast nicht auszuhaltenden Pegel der einem - beim Anblick der $$-Zeichen - gleich nochmal in Erinnerung rief, worum es hier eigentlich nur ging. Ums Geld. Und langsam begann ich zu begreifen, das Prinzip künstliche Glücksspielstadt, welches sich ähnlich Las Vegas hier im kleinen wiederspiegelte musste erstmal runtergespült werden. Ich war alles andere als locker.

Dies änderte sich schnell als Alex zielgerichtet auf die Roulettetisch-Ebene zusteuerte. Wenn man dort selber spielt, oder wahlweise auch nur nahe genug am Tisch herumsteht, kommen freundliche Damen und nehmen Getränkebestellungen auf. Gratis versteht sich. Für Casinobesitzer ist die Einladung der zahlungskräftigen Kundschaft “Ehrensache”. Ein kleines Trinkgeld veranlasste dann unsere Tischdame, nicht nur jede Stunde vorbei zu schauen, sondern pünktlich im 15-Minuten Takt. So kam es, dass wird Donald Trump um so einige Biere erleichterten. Die Parkgebühr hatten wir um ein Vielfaches wieder drin, er wirds wohl nicht bemerkt haben.

Etwas gespielt wurde dann auch noch. Nach sieben Mal Schwarz…$20 Dollar auf Rot. Natürlich ein Gewinn. Vierzig gabs zurück. Kein toller Trick aber mit der Spielerei kann man sich eben nicht anfreunden, wenn man weiss, dass die Bank am Ende immer gewinnt. So wurde dieser “Kniff” noch ein paar mal von mir und Alex zelebriert. Mal mit Erfolg, mal ohne aber insgesamt mit einem doch ansehnlichen Plus in der Bilanz. Aus Ehrfurcht davor, die eigentlich fest verplanten Gewinne aus der Stadt zu entführen, wurden diese in zwei umliegenden Bars reinvestiert bevor es gegen halb 5 morgens nach Hause ging. (”What happens in Atlantic City, stays in Atlantic City”, das sagenumwobene Motto einer ganzen Region).

Noch ein Wort zum Caesars Casino von nebenan. Natürlich riskierten wir dort einen Blick, um festzustellen, dass an den Würfeltischen ($100) und an den Roulette-Tischen ($500) die Jetons in anderen Dimensionen nur so um sich flogen. Eine Welt, die sich mir nicht erschliesst. In Amerika ein erfolgreiche Branche.

Um der zugegebenermaßen ziemlich kranken Welt wieder zu entfliehen, war für den nun schon angebrochenen Sonntag ein weitaus bodenständigeres Event geplant. Hardcore-Legende The First Step [http://www.myspace.com/thefirststep] aus North Carolina lud zu einem Konzert, welches uns in den Bundesstaat Pennsylvania führte und ein ziemliches Underground-Erlebnis werden sollte. Ohne GPS-Navigation hätten wir an diesem neblig verregneten Sonntagabend die Point Pleasant Feuerwache (!!) im Örtchen New Hope, oder besser gesagt im tiefen Wald drumherum, niemals gefunden. Das bestätigte auch der Fakt, dass sich selbst die einheimischen Vorbands um ca. 2 Stunden verspäteten.

Ein unglaublich energiegeladenes Konzert, vor nur handverlesenen 100 Leuten (in Deutschland würde ein das gleiche Ensamble mittelgroße Hallen bis unters Dach füllen) begann dann irgendwann und wurde dank sehr kurzer Umbaupausen zu einem erfrischenden und kurzweiligem Erlebnis. “Open Hearts And Clear Minds” - War hier das das Motto eines Abends, an dem über Missstände in der Gesellschaft reflektiert werden durfte. Prädikat besonders wertvoll nach einem AC-Trip.

Am Montag musste nach all den Strapazen zum Glück nicht gearbeitet werden. Alle großen Firmen in den USA schliessen am Martin-Luther-King-Feiertag. Die vielen Mitbürger mit afroamerikanischem Hintergrund werden an diesem Tag trotzdem wieder die Touristen auf dem Boardwalk in Atlantic City für ein paar Dollars in den Rollkabinen herum geschoben (!!) haben.

Welcome to America.

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